Risikobeurteilung in der Unternehmung / Ausweispflicht

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Risikobeurteilung in der Unternehmung

(Ausweispflicht im Anhang der Jahresrechnung)

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Der Gesetzgeber hat das neue Obligationenrecht per 1. Januar 2008 in Kraft gesetzt. Nebst zahlreichen Änderungen wurden auch die gesetzlich notwendigen Angaben im Anhang der Jahresrechnung erweitert (Artikel 663b OR).

Dies hat zur Folge, dass im Anhang neu eine Aussage über die Durchführung einer Risikobeurteilung gemacht werden muss. Zu Form und Inhalt hat der Gesetzgeber keine weiteren Angaben gemacht. Diese neue Regelung ist für alle Geschäftsjahre anzuwenden, die nach dem 1. Januar 2008 begonnen haben.

Alle Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung  und Stiftungen mit einem nach kaufmännischer Art geführten Gewerbe sind verpflichtet, im Anhang eine entsprechende Angabe aufzunehmen. Dies hat zur Folge, dass sich diese Unternehmen bewusst mit ihren Risiken befassen müssen. 

Im Gesetzestext befinden sich keine Anhaltspunkte darüber, welche Risiken mittels der Risikobeurteilung erfasst werden sollen. Verlangt wird jedoch - wie bereits erwähnt - dass Angaben über die Durchführung einer Risikobeurteilung im Anhang offen zu legen sind.

In der Botschaft zur Änderung des Obligationenrechtes wurde jedoch deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Risikobeurteilung nicht sämtliche Geschäftsrisiken erfasst, sondern nur diejenigen, welche einen wesentlichen Einfluss auf die Beurteilgung der Jahresrechnung haben. 

Die für das Unternehmen zentralen Risiken lassen sich oft auf wenige Top-Risiken reduzieren. Dies erlaubt eine Vereinfachung des Risikomanagementes.

Der Verwaltungsrat sollte die wesentlichen Geschäftsrisiken, die gegenwärtig bestehen oder in Zukunft entstehen können, inventarisieren, bewerten und Massnahmen zur Steuerung bzw. Überwachung dieser Risiken beschliessen. Diese Aufgaben kann der Verwaltungsrat teilweise delegieren.

Mögliche Kategorien von Risiken


Die gesamtwirtschaftlichen Risiken können wie folgt kategorisiert werden:

§    Geschäfts- und Marktrisiken (z.B. Kunden- oder Lieferantenabhänigkeiten, Konkurrenzsituation, Modeabhänigkeiten, Logistik, Image)

§       Finanzrisiken (z.B. Liquidität, Finanzierung, Anlagen, Fremdwährungen,
Ausfallrisiken)

§      Personalrisiken (z.B. Schlüsselpersonen, Organisationsrisiken, Arbeitssicherheit,

Know-How)

§        Rechtliche Risiken (z.B. Gesetzgebung, Haftungsrisiken, Schadenersatz, Garantien, Steuern, Lizenzen)

§        Technologische Risiken (z.B. Produktionsanlagen und -verfahren, Forschung und Entwicklung, IT)

§        Ökologische Risiken (z.B. Entsorgung, Sondermüll, gesetzliche Auflagen, Störfälle, Altlasten)

Vorgehen Risikobeurteilung in drei Schritten

Wir empfehlen Ihnen, bei der Risikobeurteilung wie folgt vorzugehen:

Schritt 1:

Die Top-Risiken werden inventarisiert, identifiziert und unternehmsspezifisch formuliert.

Schritt 2:

Die vorgängig ermittelten Risiken werden bewertet. Dabei ist das Schadenausmass und die Eintretenswahrscheinlichkeit von Bedeutung. Bitte beachten Sie, dass nur diejenigen Risiken, welche einen Einfluss auf die Jahresrechnung haben, bewertet werden müssen.

Schritt 3:

Abschliessend werden für die erfassten Risiken und Bewertungen noch die entsprechenden Massnahmen zur Verhinderung, Verminderung oder Kontrolle definiert.


Eine Dokumentation der vorerwähnten Schritte ist unerlässlich. Eine Tabelle mit den Spalten Risikokategorie (Schritt 1), Bewertung (Schritt 2) und Massnahme (Schritt 3) erfüllt diese Anforderungen. Ebenfalls muss ein Protokoll der Verwaltungsratssitzung vorliegen, woraus hervorgeht, dass sich dieser mit den Risiken bzw. mit der Risikobeurteilung befasst hat.

Periodische und Systematische Durchführung

Bitte beachten Sie ausserdem, dass die vorerwähnte Risikobeurteilung erstmals bis spätestens am 31. Dezember 2008 durchgeführt und dokumentiert sein muss. Anschliessend muss diese periodisch (mindestens einmal jährlich) durchgeführt werden.

Angaben im Anhang

Für den Anhang zur Jahresrchnung wird die folgende Formulierung vorgeschlagen:



Sofern die Gesellschaft grundsätzlich der Eingeschränkten Revision unterliegt:

„Der Verwaltungsrat hat periodisch ausreichende Risikobeurteilungen vorgenommen und allfällige sich daraus ergebende Massnahmen eingeleitet, um zu gewährleisten, dass das Risiko einer wesentlichen Fehlaussage in der Rechnungslegung als klein einzustufen ist (Erklärung des Verwaltungsrates).“


Sofern die Gesellschaft der Ordentlichen Revison unterliegt:

„Um die Übereinstimmung des Jahresabschlusses des Unternehmens mit den anzuwendenden Rechnungslegungsregeln und die Ordnungsmässigkeit der Unternehmensberichterstattung zu gewährleisten, haben wir interne Vorkehrungen getroffen. Diese beziehen sich auf zeitgemässe Buchhaltungssysteme und -abläufe ebenso wie auf die Erstellung des Jahresabschlusses. Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir keine Risiken identifiziert, die zu einer wesentlichen Korrektur der im Jahresabschluss dargestellten Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens führen könnten (Erklärung des Verwaltungsrates).“

Stellung Revisionsstelle

Die Revisionsstelle prüft unter anderem den Anhang zur Jahresrechnung. Damit die Revisionsstelle einen uneingeschränkten Revisionsstellenbericht abgeben kann, ist es somit unerlässlich, dass die Risikobeurteilung durchgeführt wurde. Zudem muss die entsprechende Dokumentation vorliegen und eine Offenlegung im Anhang der Jahresrechnung erfolgt sein. Andernfalls entspricht die Jahresrechnung nicht dem Gesetz. Die Folge daraus ist, dass der Revisionsstellenbericht eine Einschränkung zur Gesetzeskonformität der Jahresrechnung enthalten wird.


Fazit

Wir stellen fest, dass die Thematik der Risikobeurteilung in erster Linie eine weitere regulatorische Pflicht darstellt. Dennoch sind wir der Meinung, dass die Gesellschaft durch die Durchführung der Risikobeurteilung mit einer Fokusierung auf die Top-Risiken nützliche Erkenntnisse gewinnt und dadurch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit verbessern und sich rechtzeitig vor den Auswirkungen möglicher Ereignisse schützen kann.