Neues Revisionsrecht ab 01.01.2008

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Das neue Revisionsrecht ab 1. Januar 2008

Die Erwartungen der Öffentlichkeit an das Fachwissen von Verwaltungsräten, Geschäftsleitungen und Revisionsstellen sind in den letzten Jahren gestiegen. Verursacht wurde das öffentliche Aufsehen durch diverse Bilanzskandale und Unternehmenszusammenbrüche.


Im Zuge dieser Entwicklungen hat der Gesetzgeber die Änderung des Obligationenrechts sowie das Bundesgesetz und die Verordnung über die Zulassung und Beaufsichtigung von Revisorinnen und Revisoren (Revisionsaufsichtsgesetz RAG und Revisionsaufsichtsverordnung RAV) mit hoher Priorität vorangetrieben. Das Revisionsaufsichtsgesetz (RAG) und die Revisionsaufsichtsverordnung (RAV) wurden nun definitiv per 1. September 2007 in Kraft gesetzt. Die Inkraftsetzung des materiellen Revisionsrechts (OR-Bestimmungen) ist auf den 1. Januar 2008 vorgesehen.


Dies hat zur Folge, dass die neuen Bestimmungen für alle Geschäftsjahre anzuwenden sind, die nach dem 1. Januar 2008 beginnen.


Der Geltungsbereich des neuen Revisionsgesetzes umfasst neben den Aktiengesellschaften und Genossenschaften auch die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Vereine und Stiftungen (exkl. BVG).


Im neuen Revisionsrecht wird neu zwischen der ordentlichen Revision und der eingeschränkten Revision unterschieden. Die Unterscheidung erfolgt aufgrund der Grösse der zu prüfenden Gesellschaft. Während die eingeschränkte Revision in etwa der bis heute gängigen Praxis entspricht, müssen bei der ordentlichen Revision zusätzlich noch weitergehende Prüfungen vorgenommen werden.


Nachfolgend wollen wir auf die beiden verschiedenen Revisionsarten weiter eingehen.


Ordentliche Revision


Die folgenden Gesellschaften müssen ihre Jahresrechnung und gegebenenfalls ihre Konzernrechnung durch eine Revisionsstelle ordentlich prüfen lassen:

§         Publikumsgesellschaften;

§       Volkswirtschaftlich bedeutende Unternehmen, wenn zwei der drei folgenden Kriterien in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren überschritten werden:

-     Bilanzsumme von CHF 10 Millionen

-     Umsatzerlös von CHF 20 Millionen

-     50 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt;

§         Gesellschaften, die zur Erstellung einer Konzernrechnung verpflichtet sind.

Die ordentliche Revision beinhaltet die Prüfung, ob die Jahresrechnung den gesetzlichen Vorschriften, den Statuten und dem gewählten Regelwerk für die Rechnungslegung entsprechen. Die Revisionsstelle prüft ausserdem, ob ein internes Kontrollsystem (IKS) vorhanden ist. Die Geschäftsführung des Verwaltungsrates ist nicht Gegenstand der Prüfung. Die Revisionsstelle erstattet einen umfassenden Bericht an den Verwaltungsrat über die Rechnungslegung, IKS, Durchführung und Ergebnis der Prüfung. Im Weiteren wird ein zusammenfassender schriftlicher Bericht an die Generalversammlung abgegeben. Darin werden Prüfungsergebnis, Angaben zur Unabhängigkeit, Revisionsleitung und Befähigung sowie Abnahmeempfehlung festgehalten.

Eingeschränkte Revision

Die geringeren Anforderungen an die eingeschränkte Revision bedeuten, dass nur bestimmte Prüfungshandlungen durchgeführt werden müssen. Das Ergebnis einer eingeschränkten Revision beeinflusst die Sicherheit und das Vertrauen der Anspruchsgruppen. Die eingeschränkte Revision stützt sich – im Gegensatz zur ordentlichen Revision – im Wesentlichen auf Befragungen, analytische Prüfungshandlungen und angemessene Detailprüfungen. Bei positivem Prüfungsergebnis bestätigt die Revisionsstelle in ihrem zusammenfassenden Bericht an die Generalversammlung lediglich, dass keine Sachverhalte vorliegen, aus denen zu schliessen sei, dass die Jahresrechnung und der Gewinnverwendungsvorschlag nicht Gesetz und Statuten entsprechen (Negativ-Bestätigung). Der Prüfbericht beinhaltet ausserdem Angaben zur eingeschränkten Revision sowie zur Unabhängigkeit und Befähigung der Revisionsstelle. Im Bericht ist keine Abnahmeempfehlung enthalten.


Wahl-Möglichkeiten der Gesellschaften


  • Opting-up: 10% der Gesellschafter können verlangen, dass die zu einer eingeschränkten Revision verpflichtete Gesellschaft eine ordentliche Revision durchführt
  • Opting-out: Gesellschaften, die zu einer eingeschränkten Revision verpflichtet sind, können mittels Zustimmung sämtlicher Gesellschafter auf eine Revision verzichten, sofern die Gesellschaft nicht mehr als 10 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt aufweist.
  • Opting-down: wenn die Voraussetzungen für das Opting-out erfüllt sind, hat die Gesellschaft die Möglichkeit, anstatt gänzlich auf eine Revision zu verzichten, eine Laienrevision durchführen zu lassen.
  • Opting-in: ein Gesellschafter kann verlangen, dass die Jahresrechnung eingeschränkt geprüft werden muss.


Anforderungen an die Revisoren

Die ordentliche Revision muss zwingend durch einen staatlich zugelassenen Revisionsexperten durchgeführt werden und im Fall von Publikumsgesellschaften überdies von einem staatlich beaufsichtigten Revisionsunternehmen. Leiter von ordentlichen Revisionen dürfen Mandate maximal während sieben Jahren betreuen (Rotationspflicht). Für die eingeschränkte Revision ist ein staatlich zugelassener Revisor oder ein Revisionsexperte erforderlich. Nebst den höheren fachlichen Anforderungen werden auch verschärfte Anforderungen an die Unabhängigkeit der Revisionsstelle und der Revisoren gestellt. Die Aufgabe der neuen Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) wird es unter anderem sein, die fachliche Qualifikation der Prüfer sowie die Einhaltung der Unabhängigkeitsbestimmungen zu überwachen.

Steigende Verantwortung des Verwaltungsrates

Mit Inkrafttreten des revidierten Obligationenrechts muss die Revisionsstelle bei der ordentlichen Revision auch prüfen, ob ein internes Kontrollsystem (IKS) existiert und über die Feststellungen dem Verwaltungsrat umfassenden Bericht erstatten. Die geprüften Unternehmen werden dadurch indirekt verpflichtet, ein internes Kontrollsystem zu entwickeln, zu dokumentieren und anschliessend auch regelmässig zu aktualisieren.

Im neuen Obligationenrecht ist der Aufgabenkatalog des Verwaltungsrates zudem um die Pflicht erweitert worden, im Anhang zur Jahresrechnung explizit Angaben über die Risikobeurteilung zu machen.

Fazit

Durch die neuen gesetzlichen Bestimmungen erhöhen sich die Anforderungen an die Revisionsstelle, aber auch an die Gesellschaften, die zur Revision verpflichtet sind.

Bisher gelten wir als besonders befähigte Revisoren im Sinne von Art. 727b OR. Wir werden die Zulassung als Revisionsexperte für unser Unternehmen beantragen. Aufgrund der vorhandenen Qualifikationen gehen wir von deren Genehmigung aus. Wir werden somit in der Lage sein, sowohl ordentliche als auch eingeschränkte Revisionen auszuführen.Tatsache ist jedoch, dass ein Teil der schweizerischen Gesellschaften die Möglichkeit haben wird, auf eine Revision zu verzichten. Dadurch besteht das Risiko, dass die Qualität der Rechnungslegung und damit der Entscheidungsgrundlagen für das Management und für die kreditgewährenden Institutionen leidet.